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00112 Editorial – Update November 2025

Liebe Leserinnen und Leser,
Die Konvergenz von Medizintechnik und Informationstechnologie verändert das Gesundheitswesen, birgt jedoch gleichzeitig eine Reihe kritischer Herausforderungen, die ein Update der regulatorischen und operativen Strategien erfordern.
Eine der unmittelbarsten Bedrohungen ist das eingetretene Ende des Supports für Microsoft Windows 10. Da viele ältere, aber noch funktionstüchtige (teilweise vernetzte) Medizingeräte – von Laboranalysatoren bis hin zu bildgebenden Systemen – auf dieser Plattform basieren, führt das Ausbleiben sicherheitsrelevanter Updates ab Oktober 2025 zu eklatanten Sicherheitslücken. Diese Geräte, oft tief in kritische Infrastrukturen eingebettet, werden so zu potenziellen Einfallstoren für neue Cybergefährdungen in Krankenhäusern, die im schlimmsten Fall die Patientenversorgung lahmlegen oder sensible Daten kompromittieren können (s. Kap. 08013). Die Umstellung auf neuere Betriebssysteme ist in Kliniken aufgrund langer Zertifizierungszyklen und der Komplexität der Gerätelandschaft eine komplexe dauerhafte Aufgabe (s. Kap. 05004).
Parallel dazu expandiert die Digitalisierung in den persönlichen Bereich: Medizinische Wearables sammeln kontinuierlich hochsensible Vitaldaten. Deren IT-Sicherheit und der Schutz vor unbefugtem Zugriff sind von höchster Brisanz. Hier treffen Datenschutzanforderungen auf die Notwendigkeit, Echtzeitdaten für die Diagnose nutzbar zu machen. Jede Schwachstelle in der Übertragungskette oder der App-Architektur kann die Vertrauenswürdigkeit der digitalen Gesundheitsakte untergraben (s. Kap. 06512).
Gleichzeitig schreitet die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in diagnostische Verfahren rasant voran. Moderne Röntgengeräte in der Direktradiografie mit integrierter KI liefern nicht nur hochauflösende Bilder, sondern unterstützen Ärzte bereits bei der ersten Befundung, etwa durch automatische Markierung von Frakturen oder Läsionen (s. Kap. 07510). Ähnliches gilt für digitale radiologische Befundsysteme mit integrierter KI, die enorme Zeitersparnis und eine Steigerung der Diagnosesicherheit versprechen (s. Kap. 07512).
Doch mit der Effizienz kommt die Verantwortung: Die Algorithmen müssen transparent, validierbar und vor allem frei von Bias sein, um ethische und rechtliche Fallstricke zu vermeiden (s. Kap. 05400). Die Frage der Haftung bei einem KI-gestützten Diagnosefehler ist noch nicht abschließend geklärt. Das Gesundheitswesen muss daher einen Balanceakt vollführen:
Einerseits Innovationen schnell implementieren, um die Versorgungsqualität zu verbessern und Personal zu entlasten,
andererseits die Cyberresilienz gegen immer raffiniertere Angriffe stärken und die Compliance der eingesetzten Technologie garantieren.
Die Digitalisierung ist unaufhaltsam, aber ihr Erfolg misst sich nicht nur an der Geschwindigkeit, sondern vor allem an der Sicherheit und Verlässlichkeit der neuen Systeme. Schließlich gibt es in der EU endlich eine Einigung für eine neue Cloud-Schnittstelle SECA. Die Kenntnisse über den neuen Schnittstellen-Standard sind wichtig, bei der Berücksichtigung der digitalen Krankenhaustransformation mit einer strategischen Cloud-Ausrichtung (s. Kap. 04106).
Das Jahr neigt sich zu Ende. Neben der Aktualisierung der digitalen Ausgabe von MIT auf ein neues Webinterface wurden wieder viele digitale medizintechnische Themenbeiträge veröffentlicht, um Ihnen die anspruchsvolle Arbeit in Ihrem Krankenhaus/Klinikum zu erleichtern. Wir wünsche Ihnen zum Jahreswechsel friedliche Weihnachten und mit der letzten Ergänzungslieferung für dieses Jahr einen interessanten querschnittlichen Lesestoff. Das Team von MIT wünscht Ihnen einen guten Rutsch ins neue Jahr und freut sich Sie ab Februar 2026 wieder mit einem weiteren Update zu MIT versorgen zu können.
Herzlichst im Namen des ganzen Teams von MIT, Ihr
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